Victory in Europe Day – Der Tag der Befreiung

Kein Schulfrei, Mama und Papa gehen wie immer zur Arbeit, ein Tag wie jeder andere…

Eigentlich nicht, heute gibt es Grund zum feiern, also mach doch mal blau!

Der 8. Mai ist kein offizieller Feiertag und doch haben wir Kinder und Jugendlichen und eigentlich die ganze Welt Grund zu feiern. An diesem Tag wurde keine Staat gegründet und es ist auch kein Heiland geboren. Am 8. Mai feiern wir die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime. Der 8.Mai 1945 war der Tag der Befreiung und der Niederschlagung Hitlerdeutschlands. Der Tag an dem die Nazis ihre bedingungslose Kapitulation offiziell unterschrieben, womit das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa einherging. Als schwächste Glieder der Gesellschaft, litten unter den Schrecken der Nazi-Herrschaft besonders Kinder und Jugendliche. Am 8. Mai ist also

Gelegenheit, über die großen Hoffnungen der Menschheit nachzudenken: Über Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – und Schwesterlichkeit.“ (Ester Bejerano, 2021)

Warum ist es aus Jugendperspektive wichtig daran zu erinnern?

Der 2. Weltkrieg der auf die Aggressionen und die faschistischen Großmachstphantasien, den Rassismus und Antisemitismus Nazi-Deutschlands zurückzuführen ist, hat Millionen von Menschen den Tod gebracht. Mehr als 6 Million Jüd_innenhaben die Nationalsozialisten im Holocaust umgebracht, in der Sowjetunion starben durch den deutschen Vernichtungskrieg 27 Millionen Soldat_innen und Zivilist_innen, sieben Millionen Deutsche haben den Krieg mit ihrem Leben bezahlt, mehr als die Hälfte davon Zivilist_innen, Großbritannien hat 430.000 Menschen im Krieg verloren. Tausende behinderte junge und erwachsene Menschen wurden von den Nationalsozialisten in „Euthanasie“-Anstalten getötet, ca. 1,5 Millionen jüdische Kinder und Jugendliche, sowie eine unbekannte Zahl an Sinti und Roma starben an den Folgen von Hunger, Gewalt, Zwangsarbeit, durch Mordkommandos oder in den Gaskammern der Nazis.

Eine ganze Generationen von Kindern und Jugendlichen wurden über mehr als ein Jahrzehnt mit rassistischer Ideologie indoktrinieren und für ein faschistisch-gewaltorientiertes System und den deutschen Militarismus gefügig gemacht. Fast alle jungen Deutschen waren gezwungen Mitglied in den staatstreuen Jugendverbänden Hitlerjugend/Bund Deutscher Mädel zu sein. Freie und mündige Kinder und Jugendliche und deren Organisationen wurden unterdrückt , verfolgt und verboten.

„Alle Rädelsführer[]die feindlich eingestellt sind und die Swing-Jugend unterstützen, sind in ein Konzentrationslager einzuweisen. Dort muss die Jugend zunächst einmal Prügel bekommen und dann in schärfster Form exerzieren und zur Arbeit angehalten werden.“ (Brief ans Führer-Hauptquartier über die „Swing Jugend“ in Hamburg, Heinrich Himmler 1942)

All jene jungen Menschen, welche die Staatsmacht und die nationalsozialistische Bevölkerung als „nichtdeutsch“ identifizierte oder als unbrauchbar betrachtete, kamen in eigens für diese erbauten sogenannte Jugendschutzlager, wie z.B. das Jugendschutzlager Moringen, eine Art Kopie der KZ‘s mit Fokus auf Umerziehung, um abtrünnige bzw. widerständige junge Menschen mit Zwangsarbeit wieder auf Linie zu bringen. Doch Kinder und Jugendliche gab es nicht nur in diesen Lagern, sondern es gab sie in auch jedem KZ. Allein nach Buchenwald wurden einige Hundert Kinder und weit über 10.000 Jugendliche, noch bis 1945 verschleppt, tausende von ihnen starben. Darunter insbesondere Jüd_innen, Roma und Sinti.

Neben vielen anderen Organisationen und Gruppen waren es vor allem Jugendliche die bis zum Ende des 2. Weltkrieges aktiven und passiven Widerstand leisteten. So zum Beispiel die Edelweißpriaten. Diese waren einige tausend Jugendliche aus dem Arbeiter_innenmilieu, die sich in kleineren Gruppen regelmäßig außerhalb der Hitlerjugend trafen. Vor allem ging es ihnen um die Schaffung eines Freiraums, der es erlaubte, eine eigene Jugendsubkultur und Identität auszuleben. Das verbindende Element war die Ablehnung des zunehmenden Zwangscharakters, des Drills und der wachsende Militarisierung jeglicher Jugendkultur. Als schon die meisten großen Organisationen wie Gewerkschaften zerschlagen und Kirchen gleichgeschaltet waren, sind es eben jene jungen Menschen der Edelweißpiraten die mit Versteck- und Versorgungsaktionen von geflohenen Kriegsgefangenen und Jüd_innen, Sabotageakten und Attentaten aktiv gegen das Naziregime kämpfen.

Der Widerstand von Kindern und Jugendlichen war jedoch keineswegs ein deutsches sondern vielmehr noch ein internationales Phänomen. In allen durch die Nazis besetzten Ländern waren junge Menschen aktiv am Widerstand gegen die Nazis beteiligt. Widerstand ging dabei auch aus den vielfältigen jüdischen Jugendbewegungen in den Ländern Osteuropas hervor. Bei den Aufständen in den Ghettos, bei vielfältigen Widerstandshandlungen oder bei der Beschaffung von Informationen waren jüdische Kinder und Jugendliche aktiv beteiligt.

Am 8. Mai 1945 war all das verfolgen, unterdrücken und morden vorbei. Deshalb feiern wir diesen Tag. Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!!!

Wir überlassen diesen Tag keinem Geschichtsrevisionismus. Nicht dem rechten Geschichtsrevisionismus in Deutschland, der die Befreiung vom Nationalsozialismus zu einer Katastrophe umlügen möchte. Und auch Und auch nicht Putins Geschichtsrevisionismus und seinem mörderischen Krieg, der angeblich die Ukraine vom Faschismus befreien soll. Vielmehr werden bei der russischen Aggression Parallelen zum faschistischen Denken und Handeln der Nazis immer sichtbarer.

 

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