look out for each other

Stellungnahme zu Kinder- und Jugendpolitik

Frankfurt , den 17.3.21
 

Liebe Freund*innen im hjr,

 

ein Jahr Pandemie hinterlässt Spuren, bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, bei deren Eltern, den Jugendverbänden insgesamt und den „Gruppen“ im Besonderen1.

Im Vordergrund sollten jedoch die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen stehen, die seit gut einem Jahr in instabilen Rahmenbedingungen leben und eine enorme Flexibilität an den Tag legen müssen: Schule auf, Schule zu, Kita ja, Kita nein, Notgruppe, Fernstudium etc. und das alles, ohne eine Möglichkeiten am Nachmittag in der Gruppe etwas anderes zu erleben.

Über die Gesellung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen wurde im vergangenen Jahr manchmal gesprochen (mangelnder Kontakt zu Freund*innen), aber im Mittelpunkt aller Auseinandersetzungen und dem Reden über Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene stand immer „Bildung“ und das in einer Art und Weise, dass nonformale und sozialemotionale Bildungsprozesse, wie sie in Kinder- und Jugendgruppen essenziell sind, meist noch nicht einmal am Rande eine Erwähnung fanden. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene tauchten nur als zu Erziehende auf, sei es in der Kita, oder eben im schulischen oder universitären Rahmen. Gedanken werden sich gesamtgesellschaftlich also vorrangig in Bezug auf die „Verwertbarkeit“ gemacht, weniger - und das macht uns als Jugendverband große Sorgen - im Hinblick auf die Möglichkeiten sich zu treffen, sich auszutauschen, gemeinsam Dinge zu erleben und eine Identität zu entwickeln.

Dass Kinder und Jugendliche immer häufiger psychologische Hilfe aufsuchen, wird zwar erwähnt, aber die Möglichkeiten über die Kinder- und Jugendarbeit konkrete Unterstützungsangebote zu machen, wird nicht diskutiert.

Dass die Pandemie die soziale Ungleichheit verschärft, wird berichtet, aber darüber, wie man insbesondere Kinder und Jugendliche aus prekären Haushalten oder migrantischen Familien mit Angeboten erreichen kann, wird geschwiegen.

Zur Kinder- und Jugendarbeit werden von der Politik keine Öffnungspläne entwickelt, keine Stufen klar formuliert. Sportvereine sowie Fahr- und Flugschulen werden aufgeführt, was aber ist mit Gruppenstunden, Fahrten, Begegnungen und Zeltlagern? Wie werden diese kinder- und jugendspezifischen Veranstaltungen von der Politik unterstützt und im Rahmen der Pandemie besonders gefördert, weil sie einfach unverzichtbar sind? Welche Unterstützungen erhalten Jugendverbände im Bereich von Testung, Impfung und Ausrüstung über die übliche Unterstützung hinaus? Welche besonderen Fachkräfte stehen bezüglich dieser Herausforderungen zur Verfügung?

Wir begrüßen ausdrücklich die klare Stellungnahme des bayerischen Jugendringes, der einen Stufenplan analog der gesellschaftlichen Öffnungen fordert und auch damit Kinder- und Jugendarbeit gesellschaftlich sichtbar macht.

Darüber hinaus gehende Forderungen wie z.B. die „Aufnahme von Jugendarbeiter:innen in die Impfverordnung des Bundes und regelmäßige kostenfreie Tests (PCR- und Schnelltests) sowie Masken für Einrichtungen, um ein frühzeitiges Wiederhochfahren zu ermöglichen und Handlungsfähigkeit in der Zukunft abzusichern“ (https://www.bjr.de/index.php?id=1949) sehen wir als unabdingbares Element einer raschen Handlungsfähigkeit von Kinder- und Jugendarbeiter*innen an.

Wir als BDP Landesverband fordern den hjr dazu auf eine ähnlich offensive Rolle gegenüber der Politik einzunehmen wie es der bayerische Jugendring tut.

 

Uns ist bewusst, dass die Inzidenz-Zahlen derzeit einen anderen Weg gehen, als es sich die Politik erträumt hat und somit der von der Regierung und den Ministerpräsident*innen entwickelte Stufenplan eher wieder Makulatur zu werden droht. Darum kann es aber nicht gehen, es muss einen offensiveren Umgang mit unserer Rolle im Bereich der Kinder- und Jugendwelten geben und dazu müssen klare Forderungen an die hessische Landesregierung gestellt werden und die Kinder- und Jugendarbeit parallel zur Öffnung des restlichen gesellschaftlichen Raumes stattfinden.

 

1 Mit dem Begriff „Gruppen“ soll hier jede Form der nonschulischen Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten verstanden sein. Dies betrifft die Peergroup im Juz genauso wie die Pfadfinder*innengruppe, die Teamer*innenrunden uvm.