Pätrick

Portrait. Jugendbildung bedeutet Menschenrechte und Antidiskriminierung, nicht Neutralität

Jugendbildung bedeutet Menschenrechte und Antidiskriminierung, nicht Neutralität

Im Gespräch mit Patrick vom BDP Berlin

 

Patrick, seit wann bist du beim BDP?

Ich habe das „Haus der Jugend Bunten Kuh e.V.“, einem Jugendzentrum in Berlin- Weißensee, 2015 im Rahmen eines Praxissemesters kennen und schätzen gelernt und kam darüber auch zum BDP. Seit 2018 bin ich als Sozialarbeiter in der Luke, einem Jugendzentrum des BDP beschäftigt und seit 2019 auch in der Geschäftsstelle des LV Berlin als Referent für Jugendpolitik.

Was motiviert dich bei der Arbeit?

Mich motiviert in der Arbeit beim BDP, dass ich auf vielen verschiedenen Ebenen Jugendarbeit und Jugendbildung betreiben kann, sowohl ganz konkret und lokal in der Bunten Kuh, als auch im LV Berlin. Aber auch die inhaltliche Arbeit auf Bundesebene macht mir Spaß, insbesondere der Arbeitskreis Aktivismus gegen Rechts bzw. Rassismuskritik.

Ich bin der Auffassung, dass politische Jugendbildung und -arbeit von vorneherein niemals neutral sein kann, sondern sich immer an bestimmten Haltungen, wie z.B. Menschenrechten und Chancengleichheit, orientieren sollte. Gerade die gesellschaftlichen, politischen Diskurse, die in Deutschland geführt werden, möchte ich dabei als Multiplikator an Jugendliche weitergeben. Hier habe ich den Anspruch, aktuelle politisch-pädagogische Prozesse anzustoßen und zu gestalten. So haben wir im BDP Berlin vor kurzem ein neues Leitbild verabschiedet, das ich mit erarbeitet habe. Dort beschreibt sich der LV als dezidiert queerfeministischer und progressiver Verband.

Wie fließt deine Positionierung in deine Arbeit ein?

Gerade als weißer Cis-Mann halte ich es für unabdingbar, mich im Sinne eines Allys (Verbündeter) für marginalisierte Positionen stark zu machen und offen für z.B. Queerfeminismus einzusetzen.

Ein wichtiger Punkt ist es hierbei, Diskriminierungserfahrungen wahr und ernst zu nehmen und sich parteiisch auf die Seite der diskriminierten Person(en) zu stellen und wo sie es möchten sie zu unterstützen und Stimme für sie zu erheben. Auf der ‚Gegenseite‘ dürfen und müssen natürlich auch Jugendliche damit konfrontiert werden, dass sie ansozialisierte Konstrukte internalisiert haben, die uns alle zu (unbewussten) diskriminierenden Handlungen und Worten leiten können.

Was ist für dich das Ziel politischer Bildungsarbeit?

Ziel von politischer Bildungsarbeit muss es sein, dass junge Menschen eine menschenrechtsorientierte Haltung entwickeln. Die persönliche Haltung von Jugendlichen kann und darf natürlich sehr divers sein, aber sie soll sich grundlegend entlang von Menschenrechten und Antidiskriminierung orientieren.

Wie sieht deine tägliche Arbeit aus?

Im LV bin ich gerade hauptsächlich mit der politisch-pädagogischen Betreuung der Jugendeinrichtungen des Verbandes beschäftigt. Mit diesen erarbeite ich Konzepte z.B. zu Antidiskriminierungspädagogik und versuche so, langfristig die Einrichtungen mit politischem Input zu stärken. Außerdem konzipiere ich gerade Weiterbildungsseminare zu Themen wie Verschwörungsideologien, Corona-Leugner*innen oder Sexismus (zusammen mit Anne vom LV RLP).

Wie sieht dein Zukunftsentwurf aus?

Meine Arbeit sehe ich als einen (kleinen) Baustein zur Erarbeitung einer „guten Zukunft“ und finde es gerade bei jungen Menschen unabdingbar zu vermitteln, dass gesellschaftliche Formationen und Normen (wie z.B. eine kapitalistische Wirtschaftsordnung oder eine patriarchale Geschlechterordnung) nicht für immer sind oder sein müssen. Sie sind von Menschen geschaffen und können somit auch von Menschen abgewandelt, umgestürzt und verändert werden.

Wir finden beide, dass der BDP schon sehr viel wichtige und gute Arbeit leistet, auf die wir auch ein klein wenig stolz sind. Patrick, vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Manu