Pfadfinder_innen gegen die Wehrpflicht !!!
"Ich bin Soldat, doch bin ich es nicht gerne, als ich es ward, hat man mich nicht gefragt. Man riss mich fort, hinein in die Kaserne, gefangen ward ich, wie ein Wild gejagt; ja, von der Heimat, von des Liebchens Herzen musst’ ich hinweg und von der Freunde Kreis. Denk ich daran, fühl’ ich der Wehmut Schmerzen, fühl’ in der Brust des Zornes Glut so heiß." (Max Kegel, 1870)
Klare Positionierung gegen die (Wieder-)Einführung der Wehrpflicht
1. Der BDP spricht sich unmissverständlich gegen jede Form von Wehrpflicht, Zwangsdienst oder staatlichem Zugriff auf junge Menschen im Kontext militärischer Strukturen aus.
Als antifaschistischer und emanzipatorischer Pfadfinder*innenverband verteidigen wir die Freiheit und Selbstbestimmung junger Menschen. Jede Form militärischer Zwangsverpflichtung widerspricht unserem Bestreben nach Frieden, demokratischer Teilhabe und kritischem Denken.
Unsere klare Solidarität gilt allen Menschen, die sich aus politischen, moralischen, religiösen oder persönlichen Gründen weigern, an Krieg oder militärischer Gewalt teilzunehmen, unabhängig davon, ob sie eine zivile Alternative wählen, desertieren, fliehen oder untertauchen müssen.
2. Wir bekräftigen das Recht von Kindern und Jugendlichen, frei von militaristischen Einflussnahmen aufzuwachsen.
Die beschlossene Wiedereinführung der Wehrpflicht setzt junge Menschen erneut staatlichem Druck aus, sich militärischen Logiken zu unterwerfen, anstatt ihre persönliche Entwicklung, ihren Schutz und eine demokratische Gesellschaft zu fördern.
Wir fordern, dass jegliche Werbung für Kriegs- und Militärdienste in Schulen, Jugendzentren, Jugendverbänden, Berufs- und Zukunftsmessen sowie in sozialen Medien unterlassen wird. Dies schließt sowohl allgemeine Werbung als auch zielgruppenspezifische Rekrutierungsmaßnahmen ein, die gezielt Jugendliche ansprechen, um sie für militärische Dienste zu gewinnen.
Räume, in denen Jugendliche lernen, sich entfalten und ihre Zukunftsperspektiven entwickeln, dürfen nicht für Rekrutierung instrumentalisiert werden.
3. Wir wenden uns klar gegen sicherheitspolitische Debatten, die den gesellschaftlichen Umgang mit Jugend überwiegend durch das Prisma militärischer Verfügbarkeit betrachten.
Junge Menschen sind nicht „Ressourcen“ für Armeen, sondern Individuen mit eigenen Interessen, Bedürfnissen und Zukunftsplänen. Dazu gehört auch die Zurückweisung soldatischer Männlichkeitsbilder, die Härte, Gehorsam und Hierarchie als Leitbilder setzen und damit emanzipatorische Jugendarbeit unterlaufen.
4. Wir setzen uns für eine Stärkung ziviler Konfliktlösung, weitsichtige Sicherheitspolitik, internationale Kooperation sowie wirksame Sanktionen gegen menschenverachtende, autoritäre und terroristische Regime und Organisationen ein.
Sicherheit entsteht durch präventive Friedensarbeit, soziale Gerechtigkeit, demokratische Strukturen und internationale Solidarität, die autoritäre wie terroristische Akteure klar benennt und ihnen Grenzen setzt – nicht durch militärische Pflichtdienste für den deutschen Staat.
5. Gleichzeitig grenzen wir uns deutlich von jenen Gruppierungen ab, die im Sinne des russischen Kremls oder anderer autoritärer Regime die reale Gefahr imperialistischer Kriege relativieren oder leugnen oder das Leid jener ignorieren, die unter Terror und staatlicher Gewalt leben müssen.
Unsere Kritik an der Wehrpflicht ist kein Freibrief für Geopolitikverharmlosung. Wir stehen solidarisch zu allen Menschen, die unter autoritären oder terroristischen Akteuren leiden und zu allen, die sich gegen Angriffe und Terror verteidigen müssen.
6. Der BDP verpflichtet sich, in seiner Bildungsarbeit weiterhin antimilitaristische, friedenspolitische, demokratische und geschichtsbewusste Inhalte zu stärken und diese ausdrücklich durch die Auseinandersetzung mit autoritären, rassistischen, antisemitischen und patriarchalen Ideologien sowie gegen soldatische Männlichkeitsbilder zu verbinden.
Wir wollen junge Menschen befähigen, kritisch, solidarisch und reflektiert auf gesellschaftliche Entwicklungen und sicherheitspolitische Debatten zu reagieren und deren historische Hintergründe einzuordnen.
Kriegsdienst verweigern: So geht's!

