Portrait Jan Mock

Wie die Kosmologie in den Garten führte

Jan lernte mit damals 24 Jahren den BDP während seines Physikstudiums in Hamburg kennen. Als der BDPler Matthias mit seiner kleinen Tochter Paula in der Kosmologie-Vorlesung auftauchte, freundeten sie sich sofort an. „Es war für mich nicht ganz das Richtige, immer nur mit Kommilitonen rumzuhängen und im Park zu grillen und Bier zu trinken“, erzählt Jan. Da kam das Angebot, ihn mal mit den BDP-Garten zu nehmen, genau richtig - denn „so fing alles an“.

Vier Jahre später arbeitet Jan in Jülich bei Köln an seiner Doktorarbeit und vermisst die Leute im BDP sehr, denn „der Großteil meines engen Freundeskreises ist über den BDP gewachsen“.Nach einem kurzen etwas traurigem Schweigen lächelt er verschmitzt und wirkt freudig aufgeregt, als er anfängt, über seine Erfahrungen im BDP zu sinnieren. Eine seiner ersten Aktionen war die Fahrt zur bundesweiten Anti-Atom-Demo nach Berlin am 5. September 2009. Mit selbst gebastelten Atom-Fässern, in der ein Dutzend BDPler_innen steckten, wurde symbolisch nach einem Endlager gesucht.

Eine weitere wirklich schöne Erinnerung verbindet er auch mit der Reise „Über Stock und Stein“ im Sommer 2011, bei der „die vor Glück quietschende Paula“ neben ihm im Kanu saß und er einfach mal entspannen konnte.

Der BDP-Garten allerdings machte auf ihn erst mal einen „recht runtergekommenen Eindruck“, aber er merkte schnell, dass der Garten einen richtigen „Ausgleich zur Großstadt“ bietet - nicht nur durch die normale Gartenarbeit, die ein solches Grundstück mit sich bringt. Die „facettenreichen Erfahrungen wie die Organisation in der Gruppe, das Verstehen vom Lauf der Dinge“ oder ganz einfach „das Kochen von Tee bei Minusgraden“, haben nachhaltige Spuren hinterlassen.

Ganz unverhofft wurde Jan nach einem Tag im Garten am Lagerfeuer mit den Worten: „das wird dir Spaß machen, komm mal mit, da kannst du arbeiten“ überredet, zwei Wochen später beim jährlichen deutsch-französischen Workcamp des BDP HH und UCJG Loire in Geretsried mitzumachen. Die beeindruckendste Erfahrung für ihn – als Naturwissenschaftler – war dabei die Kommunikation mit zwei gehörlosen Teilnehmern. „Das war wirklich eine der schönsten, wenn nicht sogar die schönste Erfahrung, die ich je mit fremder Sprache gemacht habe“.

Aber es gab auch weniger erfolgreiche Aktionen – wie die ausgefallene Massenblockade des Atomkraftwerks Brokdorf 2011, bei der der BDP mitwirkte. Doch „die Vorbereitung werde ich wahrscheinlich mein Leben lang nicht vergessen, weil ich sehr viel über Plena-Arbeit, Gruppendynamik und natürlich auch über einen Camp-Aufbau gelernt habe“, erzählt Jan ernst [stolz].

Auch das Workcamp im Sommer 2013, welches er mitorganisierte, fiel wegen Teilnahmemangel aus. Es sollte im Hamburger BDP-Garten stattfinden und auch, „wenn das ein herber Rückschlag war“, wurde die geplante Dacherneuerung einer alten Gartenlaube allein vom Orga-Kreis trotzdem umgesetzt. „Das war ein wirklich großes Projekt, was mich an die Grenzen meiner Leistungsfähigkeit gebracht hat, mich aber im Nachhinein auch stolz macht“.

Es fällt auf, dass Jan schon nach kurzer Zeit im BDP vieles selbst organisiert hat, sein politisches Interesse mit dem BDP verbinden konnte und viele neue Erfahrungen gemacht hat, die er ohne BDP wahrscheinlich nicht gemacht hätte. So wundert es auch nicht, dass er den BDP heute mit den Schlagworten „Freundschaft, Entfaltung, Freiheit“ beschreibt - und übrigens darüber nachdenkt, eine BDP-Gruppe in Jülich zu gründen.

Von: Esther Philipps

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Grafik: Atelier Hurra