Mädchen_arbeit*

Grundlage der Mädchenarbeit im BDP ist eine fundamentale Kritik an einer Gesellschaft die Menschen in ausschließlich zwei Geschlechter einteilt, zwischen diesen beiden, konstruierten Geschlechtern Hierarchien herstellt und aufrecht erhält und damit Normierungsprozesse auf allen Ebenen des Lebens einleitet.

Die Ansprüche an "Mädchen_sein" sind heute vielfältiger und widersprüchlicher denn je.

Die traditionellen Erwartungen an Mädchen_/Frauen_ bzw. gesellschaftlich zugeschriebene „typisch weibliche“  Eigenschaften wie Fürsorge, Empathie, soziale Kompetenz, Beziehungsarbeits- und Reproduktionsarbeit gelten noch immer. Gleichzeitig sind Mädchen_ aber auch mit einem neuen Mädchen_bild konfrontiert.

„Das neue Mädchenbild stellt ein Mädchen vor, dass selbstbewusst ist, geradeheraus ihre Meinung sagt, sich von niemandem in ihre Pläne herein reden lässt, sehr klar Bescheid weiß über die Welt, in der es sich bewegt, und trotzdem Spaß hat, viel Spaß. Natürlich sieht sie obendrein noch gut aus, ist sich ihres Körpers bewusst, genießt ihn, nutzt ihn als Quelle der Lust. Sie weiß Bescheid über Trends, sie kennt sich aus, ohne dabei ihre Besonderheit zu verlieren. Sie wird ihren Weg gehen“. (Stauber: „Mädchen zwischen allen patriarchalen Zuschreibungen und feministischen Ansprüchen“, 1999).

Mädchen_ in ihrem individuellen Aushandlungs- und Aneignungsprozess mit diesen Rollenanforderungen zu begleiten und zu unterstützen ist Aufgabe und Anspruch von Mädchen_arbeit. Dabei gehen wir nicht von einem bestimmten Mädchen_bild aus sondern sehen Mädchen_ als Subjekte, als Handelnde und ihr Leben Gestaltende in einem Feld komplexer Wirkbedingungen. Das impliziert, dass wir nicht wissen, was Mädchen brauchen oder wollen, sondern dass wir in einem lebendigen, emanzipatorischen und Mädchen_ ernst nehmenden Kontakt Bedürfnisse und Anforderungen an uns Pädagog_innen immer wieder neu aushandeln und erfragen und dabei Wahlmöglichkeiten aufzeigen, Perspektivwechsel anregen und Vielfalt fördern.

*Den Unterstrich verwenden wir in unserer Schreibweise, um deutlich zu machen, dass wir nicht davon ausgehen, dass es sich bei der Bezeichnung "Mädchen" um eine kongruente Einheit von Menschen handeln kann. Vielmehr sind wir der Überzeugung, dass die Kategorie Geschlecht und die Einteilung von Menschen in ein entweder-oder von männlich oder weiblich gesellschaftlich konstruiert ist und dass es jenseits dieser zweigeschlechtlichen Einteilung viele Möglichkeiten gibt sich geschlechtlich zu verorten. Dieser "gender-gap" wird durch den Unterstrich symbolisiert.

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