Leser_innen-Brief

Leser_innen-Brief zu „Turbulente Jahre für den BDP – David Templin im Interview über die Jugendzentrumsbewegung und BDP-Verbandsgeschichte“ in BLATT 1-2016

 

Liebe FreundInnen,

Euer Interview mit David Templin reizt mich zum Widerspruch. Eure Eingangsfrage geht von einer unkorrekten zeitlichen Einordnung aus. Die JZ-Bewegung [Jugendzentrumsbewegung, Anm. d. Red.] hatte ihre Ursprünge bereits in den 60ern. Sie folgt nicht zeitlich der Studentenbewegung, sondern entstand parallel dazu. Z.B. gingen AbiturientInnen an Unis in den Großstädten (Berlin, Frankfurt, München, Hamburg u.a.) und trugen die Ideen der Studenten in die Provinz. Daraus und aus der miesen Freizeitsituation und den politischen Interessen der Jugendlichen in kleinen Orten entstand eine Bewegung in der Provinz, die die politische und Freizeit-Situation dort verbessern wollte.

Und Gruppen im BDP waren mit von der Partie. In Rendsburg (Schleswig-Holstein) existierte bereits 1967 in einem Souterrain der „club r“, in Frankenberg (Hessen) fast zeitgleich ein anderer Jugendclub. In Düsseldorf-Oberrad unterhielt der BDP einen eigenen Club. Ähnliches gab es in Celle (Niedersachsen) und Sobernheim (Rheinland-Pfalz), um nur einige Beispiele zu nennen. Man kann also nicht behaupten, der „BDP“ als Ganzes hätte „der JUZ-Bewegung anfangs skeptisch gegenüber gestanden“. Das galt nur für Teile des Verbandes, natürlich vor allem der Teile, die dann 1971 – und auch vorher – den Verband verließen.

Die JZ-Bewegung traf beim BDP – fast! – überall auf Sympathie. Die Landesverbände Bremen-Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Bayern, m.E. Nordrhein-Westfalen engagierten sich energisch. Berlin war wegen der Situation der Großstadt ein Sonderfall. Entschieden gegen die Zusammenarbeit mit der JZ-Bewegung war der LV Baden-Württemberg. Häufig kolportiertes Zitat: „Des het keinerlei Bedeutung für dene Gruppe an dere Basis“ (auf Schwäbisch).

Ausführlicher ist das – hoffentlich demnächst – in „Pfadfinder zwischen Tradition und Fortschritt – 20 Jahre im Bund Deutscher PfadfinderInnen“ nachzulesen.

Schöne Grüße,

Jürgen Fiege
 

INFO

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