Kommentar

Geistige Brandstifter_innen und andere deutsche Eigentümlichkeiten

 

Nun mehr seit Oktober 2014, also etwas über ein Jahr, treiben „besorgte Bürger_innen“ Seit an Seit mit bekannten Nazis in Dresden und anderswo jeden Montag ihr – von der Presse inzwischen ignoriertes – Unwesen. Die Tatsache aber, dass die Presse sich inzwischen gelangweilt von der offenbar nicht müde werdenden Bewegung abgewendet hat und nur mehr die Lokalpresse sich gezwungenermaßen mit den „Pegidist_innen“ auseinandersetzt, soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass deren Aufmärsche nur ein Symptom eines tiefer sitzenden Problems sind.

Ein Problem, das sich inzwischen fast täglich in den Schlagzeilen findet: der Hass gegen vermeintlich „Fremde“ hat die sogenannte Mitte der Gesellschaft erreicht. So heißt es, nicht etwa bekennende Nazis, sondern Bürger aus stabilen Verhältnissen sind diejenigen, die seit über einem Jahr Feuer in Unterkünften für Geflüchtete legen oder unterstützt von Nazis selbige blockieren. „Eine Randerscheinung“, möchte man sich sagen und gelassen wichtigeren Dingen zuwenden.

Doch diese Randerscheinung hat im Jahr 2015 laut BKA zu 875 Übergriffen auf Geflüchtete und deren Unterkünfte geführt. Im Kontrast zur herzerweichenden Welle der Hilfsbereitschaft, die noch immer in allen Teilen von Deutschland zu spüren ist, eine erschreckende Zahl. Sie wird umso erschreckender, wenn man bedenkt, dass dies eine Vervierfachung der Gewalt zu 2014 bedeutet.

Was also treibt diese Menschen dazu, sich zu radikalisieren und den Schritt in die Kriminalität zu wagen? Immer wieder wird genannt, es sei die pure Angst vor dem „Fremden“, der „Überfremdung“ und tiefsitzende Vorurteile, aber auch Unmut über generelle, gesellschaftliche und politische Missstände. Dazu kommt die Tatsache, dass derartige Delikte kaum aufgeklärt werden, die Täter_innen sich also in der Sicherheit wiegen können, nicht belangt zu werden.

Was die Brandstifter_innen geistiger und zündelnder Natur nicht verstehen ist, dass die Probleme auf welche sie ihren Protest gründen nichts mit Geflüchteten zu tun haben. Ihre Wut entlädt sich an Menschen die nichts dafür können, dass sich ein Teil der Bevölkerung vernachlässigt und belogen fühlt.

Protest ist eine legitime Form politischen Handelns. Wer sich aber für die Ideologie der geistigen Brandstifter_innen vom rechten Rand vor den Karren spannen lässt, um den eigenen Protest zum Ausdruck zu bringen, macht sich mitschuldig an Verbrechen die ohne Umschweife „rechter Terror“ genannt werden können. Jede_r einzelne die_der mit dem Protest von PEGIDA sympathisiert, sollte sich die Frage stellen, ob sie_er wirklich mit jenen menschenverachtenden, gewalttätigen und die demokratische Grundordnung ablehnenden Personen auf eine Stufe gestellt werden möchte.

 

von Klaus