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KuT Gadebusch- alternative Kultur auf dem Land in Nordwestmecklenburg

 

Gadebusch. Klingt für viele nach Provinz, leeren Bierdosen hinterm Einkaufsmarkt und einer Bevölkerung, die allesamt jenseits der 50 ist. Nicht ganz.

Ein bunt bemaltes Gebäude auf dem Gelände eines ehemaligen Klärwerks gar nicht mal unweit des Stadtkerns lässt Hoffnung aufkommen. Dort befindet sich das KuT, seit zehn Jahren Zuhause des Vereins Kultur und Toleranz e. V., der seit 2011 Mitglied im BDP Mecklenburg-Vorpommern ist. Zwanzig Jahre schon gibt es den Verein in Gadebusch, welcher ab 1997 seinen ersten Sitz in der Nähe des Bahnhofs in einer alten Baracke fand. Engagierte Menschen fanden sich zusammen, wohnten dort, veranstalteten Partys, Konzerte und gesellige Abende. Alternative Kultur auf dem Land.

Dass für diese jedoch nicht immer und überall Platz ist, erfuhren die Jugendlichen und jungen Erwachsenen erstmals 2004, als ihre Behausung von der Stadt abgerissen wurde um Bauland zu schaffen (welches übrigens erst ab 2016 tatsächlich bebaut wurde...) und sie somit auf der Straße landeten. Das Belagern von öffentlichen Plätzen und die Organisation eines sommerlichen, kleinen Festivals im Nachbarort, als Ersatz für die wegfallenden Konzerte, ließ die Stadt jedoch nicht ganz unbeeindruckt. Somit entschied die Stadtvertretung dem Verein eine neue Vereinsstätte mit zugehörigem Grundstück kostengünstig für die Nutzung zu überlassen. Das Gebäude wurde hergerichtet und Werkstatt, Konzertraum, Tresen, Kinoraum wurden selbstorganisiert aufgebaut. Auch das neue Außengelände bietet viel Platz für Outdoor-Aktivitäten und so manch anderen Quatsch. Beides wird inzwischen schon von der zweiten „KuT-Generation“ genutzt und betrieben. Doch schon lange sind die baulichen Zustände des Gebäudes fragwürdig und wurden jegliche Aktivitäten innerhalb des DDR-Schwarzbaus wurden von der Stadt nur „geduldet“.

Ich bin vor einigen Jahren nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen, war – und bin es auch heute noch – unglaublich froh, diese kleine Perle der alternativen Kultur in Deutschland gefunden zu haben. Jedoch bringen die vielen Ideen und Vorhaben wenig, wenn es eine Stadt gibt, die zwar großzügig ein momentan ungenutztes Stück Land und zwei baufällige Garagen zur Verfügung stellt, aber immer noch so tut als seien die Mitglieder und Besucher*innen unseres selbstverwalteten Jugendzentrums nur nervige Krachmacher und Drogenkonsumenten. Hinzu kommt der Druck der örtlichen Polizei, die spätestens seit dem G20-Gipfel in Hamburg wohl ganz genau im Auge behält, was in und um das KuT passiert. Nachdem Ende letzten Jahres Anzeigen aufgrund von Ruhestörung und angeblicher Beleidigung (All Cops Are Beautiful!) ins Haus flatterten, heißt es bis jetzt von der Stadt Gadebusch: Keinerlei öffentliche Veranstaltungen mehr im KuT. Wobei diese bis zu diesem Zeitpunkt jahrelang offiziell von der Stadt genehmigt wurden. Da fragt man sich mal wieder, wer eigentlich wo an den richtigen und falschen Hebeln sitzt...

Auf Nachfrage zu Alternativen wurden dem KuT Mietvorschläge für Konzerträume angeboten, die jedoch in keinster Weise mit unseren Vorstellungen und auch finanziellen Mitteln vereinbar sind, da das komplette Vereinsgeschehen, die Veranstaltungen und Konzerte ehrenamtlich, gemeinschaftlich und unkommerziell durchgeführt werden. Somit hängt der Kultur und Toleranz e.V. (mal wieder) ganz schön in der Luft und keine*r weiß so wirklich wie es weitergeht mit unserem kleinen, immer noch lebendigen und bitter notwendigen Freiraum auf dem Land.

Diese Unsicherheit wirkt sich auch auf unsere Struktur und den Nachwuchs aus. Denn natürlich ist es schwierig für etwas zu kämpfen, von dem keine*r weiß, ob und wie lange es Zukunft haben wird. Doch nach einem schönen gemeinsamen Abend, einer gelungenen „Privatparty“ im KuT oder den besten zwei Wochen des Jahres, die wir wieder alle gemeinsam auf unserem Festival, der Sommerschlacht, verbringen werden, erinnert man sich gerne daran, warum es sich lohnt, sich doch für den noch so kleinsten Freiraum den Arsch aufzureißen!

Von Teresa