Es waren Menschen wie du und ich

Der Mädchenladen Spandau e.V. engagiert sich im Kiez stark für ein inklusives und interkulturelles Zusammenleben und bietet den Mädchen* gleichzeitig einen Blick über ihr eigenes Umfeld hinaus. Welche Denkanstöße eine gemeinsame politische Bildungsfahrt haben kann wird in diesem Bericht von zwei Fahrtteilnehmerinnen* sichtbar.

Es waren Menschen wie du und ich
Ein Besuch in Auschwitz und Birkenau

Sechs Millionen Juden und Jüdinnen wurden während der NS-Zeit ermordet. Hunderttausende Menschen haben wegen ihres Andersseins ihr Leben lassen müssen. Die meisten Menschen sind im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau getötet worden. Diese Gedenkstätten Auschwitz I und Auschwitz-Birkenau besuchten wir im April 2014 und übernachteten vier Tage in Krakau, Polen. Unser Ziel war es, Erfahrungen und Eindrücke zu sammeln, wie man in der Zeit des Nationalsozialismus mit Menschen umgegangen ist.

Die Teilnehmer_innen der diesjährigen Gedenkstättenfahrt sind zu Zweidritteln Jugendliche mit arabischem Migrationshintergrund – eine sensible Angelegenheit. Der Nahost-Konflikt schürt bis in die Gegenwart Vorurteile gegenüber Israelis und gegenüber Menschen jüdischen Glaubens. Und nun besuchten ausgerechnet arabisch-stämmige Jugendliche Orte, an denen die „totale Vernichtung“ von Jüdinnen und Juden umgesetzt wurde. Wir fragten uns: Sind nicht die Vorurteile vieler Menschen heutzutage der Keim, aus dem auch der Hass stammt, der damals im NS-Deutschland angewachsen ist?

Die Massenvernichtung von Menschen ist für uns Jugendliche, die in den 1990er Jahren geboren sind, nur schwer zu fassen. So war allen Teilnehmenden klar, dass diese Reise keine Freizeitfahrt sein würde, sondern wir nach Polen gefahren sind, um uns selbst ein Bild zu machen. Das Thema Nationalsozialismus und Konzentrationslager im Frontalunterricht durchzunehmen oder Dokumentationen zu sehen ist nicht dasselbe. Durch den Ort wird es viel konkreter, was es bedeutet hat, in einem Lager zu leben.

Uns haben vor allem die ausgestellten privaten Dinge mitgenommen. Wir sahen die Schuhe der Kinder, die Haare und Brillen der Menschen, das Besteck, mit dem sie gegessen haben. Das regte uns zum Nachdenken an: "Dieses Gefühl ist unbeschreiblich - dort zu stehen, wo unzählige, unschuldige Menschen ermordet wurden", sagte eine Jugendliche.

Abends in Krakau hatten wir Zeit, über das Erlebte nachzudenken und in einer guten Atmosphäre auch über die Zukunft nachzudenken. Für uns ist klar geworden: Wir sind alle dafür verantwortlich, was mit unseren Mitmenschen geschieht und dass wir in einer Demokratie leben. Diese Fahrt wird uns lange daran erinnern, zu was Menschen fähig sind und dass wir schon am Beginn energisch gegen rechte Tendenzen eingreifen müssen. Denn diese Menschen waren Menschen wie du und ich.

Ein Bericht von Diana El-Nasser und Maria Yosef
Mädchenladen Spandau e.V.

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