Der Freiraum- Fahrplan 2018

Neues vom Vorstand

 

 

Liebe BDPler*innen, Freund*innen und Interessierte,

wir möchten euch ein bisschen mehr von den Dingen, mit denen wir uns so beschäftigen berichten und können verstehen, dass Stellungnahmen oder der jährliche, ewig lange Vorstandsbericht für einige viel zu öde sind, um sie zu lesen. Die Frage was die Aufgaben und Schwerpunkte der Vorstandsarbeit sind, finden wir inzwischen auch schon ein bisschen ausgelutscht und oft wenig plastisch. Deswegen wollen wir zukünftig ein bisschen häufiger und weniger hochgestochen von Treffen, Sitzungen oder sonstigem Kram, der uns beschäftigt, berichten. Da das Jahresthema des BDPs Freiräume heißt, fokussieren wir uns in diesem Beitrag auf unseren Fahrplan, den wir uns zu diesem Thema überlegt haben.

Fahrplan Freiräume

Wir haben uns Anfang März in Marburg (siehe anbei das Chillen an der Lahn-Foto) getroffen, um unter anderem zu überlegen, was unsere nächsten Schritte diesbezüglich sein könnten. Mit einer warmen Milch mit Honig auf der Fensterbank des Cafés Roter Stern und unter professionell-prüfendem Blick des caféeigenen Kätzchens haben wir einen Fahrplan entworfen, der uns durch die nächsten Wochen führen soll. Wir möchten uns coole Projekte, Kollektive, Häuser, etc. in ganz Deutschland raussuchen, die selbstverwaltet agieren und einen Freiraum für Selbstentfaltung und/ oder politische Arbeit darstellen. Ein paar davon möchten wir besuchen und uns mit den Menschen vor Ort unterhalten, um einen Eindruck von dem zu bekommen, was dort abläuft. Unser Interview-Leitfaden umfasst dabei Fragestellungen wie den Ursprung der Einrichtung, z.B. welche Intention, Bedürfnisse, Wünsche dem Projekt vorangegangen sind oder der politische Weg zur Autonomie, wie z.B. die Frage, wie Räumlichkeiten akquiriert oder Berechtigungen erworben wurden. Außerdem interessiert uns, wie die Gruppen strukturiert sind: Wie werden Entscheidungen getroffen? Wie setzt sich die Gruppe in Bezug auf Alter und sonstigen Merkmalen zusammen? Wie wird mit der Problematik von Wissenshierarchien und Machtstrukturen innerhalb der Gruppe umgegangen? Zuletzt möchten wir nach potentiellen Probleme fragen, mit welchen die Gruppen zu kämpfen haben. Populäre Beispiele hierfür können Gentrifizierung1, bürokratische Hürden, aber auch der Mangel an Finanzierung sein.

Warum das alles?

Nach den ganzen Ausführungen über unsere Pläne und Vorstellungen, fragt ihr euch jetzt vielleicht wozu wir Projekte besuchen und diese ganzen Informationen sammeln wollen. Ziel der ganzen Sache ist, dass wir im Sommer die Besuche und Interviews abgeschlossen haben und in der Lage sind, einen Leitfaden zu erstellen. Dieser soll Informationen enthalten von und über Projekte, die es geschafft haben Freiräume verschiedenster Arten aufzubauen und zu erhalten. Wir wünschen uns damit Menschen, Kollektive, etc. unterstützen zu können, die auf der einen Seite auch ein Projekt o.Ä. an den Start bringen möchten oder sich auf der anderen Seite einen Freiraum erkämpft haben, welcher aber aufgrund von oben genannten Problematiken gefährdet ist. Wir denken, dass ebendiese Menschen vom Erfahrungsschatz, dem Wissen und den Kompetenzen von etablierten Projekten profitieren können und sehen es als unsere Aufgabe Unterstützung zu leisten. Wir haben in unseren Dunstkreisen selbst Kollektive und Projekte, die aktuell gefährdet sind. Ein Beispiel aus Marburg ist die Kollektivkneipe Havanna Acht, welche seit über 30 Jahren „an Studierende, Arbeitslose und Obdachlose mit das billigste Bier in Marburg“ (jungle world 2018)2 ausschenkt. Sie steht nun vor dem Aus, weil der ganze Block an einen Investor verkauft wurde, der die bisherige Miete mal ebenso verdoppelt hat. Klar, dass sich mit Glücksspielautomaten, teurem Wein und Shisha rauchen mehr Geld machen lässt als mit der schummrigen Kneipe, die eines der letzten Zentren linker Infrastruktur in Marburg darstellt. Beispiele wie das Havanna Acht zeigen, dass die Gentrifizierung selbst vor lang etablierten Projekten kein Halt macht und das geht uns ziemlich gegen den Strich!

Habt ihr Ideen oder Anregungen?

Falls ihr Lust habt bei der ganzen Sache dabei zu sein, meldet euch gerne bei uns (vorstand@bdp.org)! Wir würden uns freuen, euch mitzunehmen in die Projekte, die wir uns anschauen wollen. Fühlt euch auch herzlich dazu eingeladen coole Ideen und Vorschläge reinzubringen, falls ihr Häuser, Kollektive, etc. kennt, die für einen Besuch in Frage kommen. Gerne könnt ihr uns auch Anregungen zu unserem Interview-Leitfaden schicken, damit wir diesen noch verbessern können.

Solidarische Grüße,

Michelle, Tabea, Mike und Ruben

 

1 Aufwertung eines Stadtteils durch dessen Sanierung oder Umbau mit der Folge, dass die dort ansässige Bevölkerung durch wohlhabendere Bevölkerungsschichten verdrängt wird.

2 Empfehlenswert: „Letzte Zigarre fürs Kollektiv“ von Felix Riedel in der jungle world vom 29.03.2018 https://jungle.world/artikel/2018/13/letzte-zigarre-fuers-kollektiv