Blick nach vorn

Radikal Utopien

Es fing auf der Bundesdelegiertenversammlung 2013 an. Vier Frauen aus Hamburg teilten sich die zwei Delegiertenstimmen und verbrachten ein Wochenende in Berlin und am Ende waren alle vier zu Außenvertreterinnen für den Kongress der Bundeskoordination Internationalismus (BUKO) im Mai 2014 in Leipzig gewählt. Das diesjährige Motto des Kongresses lautete: alle oder nirgends! Räume und globale Bewegungsfreiheit erkämpfen! Recht auf Stadt und Recht auf Bewegung – genau das, womit sich der BDP Hamburgsowieso beschäftigte.
Was sich auf der BDV spontan ergeben hatte, wurdezu einem wirklich großen Planungsaufwand, aber alle vier fanden tatsächlich die Zeit, am 29. Mai für vierTage mit dem Zug nach Leipzig zu fahren. Das war auch gut so, denn so unterschiedlich ihre politischen Inte-ressen auch waren, kamen alle mit unglaublich viel Hintergrundwissen und Utopien für den BDP zurück. Das Kongresszentrum in der Hochschule war schon liebevoll eingerichtet, Programmhefte wurden verteilt und die Schlafplätze organisiert. Dann ging es los. Auf vier Tage verteilt warteten fast 70 Workshops, Podiumsdiskussionen, Film- und Buchvorstellungen und Vernetzungstreffen auf die etwa 300 Besucher_innen.

Der Themenschwerpunkt Recht auf Bewegung umfasste Workshops über die steigende Militarisierung der EU - Außengrenzen mit ihren Kontrollinstrumenten wie Frontex. Anhand konkreter sozialer Bewegungen wie die Zapatist_innen in Mexiko, die no border-Bewegung oder die Gruppe Lampedusa in Hamburg konnte der Einblick praktisch vertieft werden. Die Mischung aus Vorträgen, Wissensvermittlung und internationalem Erfahrungsaustausch ließen die Diskussionen beim Essen der selbst organisierten Volxküche (VoKü) oder abends beim Bier vor der Hochschule nicht aufhören. Beim Themenschwerpunkt Recht auf Stadt ging es neben einführenden Workshops zur neoliberalen Stadt von Heute auch um theoretische Ansätze, zum Beispiel anhand David Harveys Werk Urbane Politische Ökonomie und rebellische Städte. Ebenfalls wurden die Probleme der Instrumentalisierung sozialer Bewegungen, die Verdrängung und Privatisierung durch Gentrifizierung oder Marginalisierung der Unverwertbaren aufgezeigt und diskutiert. Anhand der vielen verschiedenen Initiativen, die diese Workshops leiteten, konnten konkrete Handlungsoptionen auch innerhalb kapitalistischer und globaler Herrschaftsverhältnisse aufgezeigt werden. So ging es nie darum, in Selbstmitleid zu versinken, sondern sich von den Nischen und der Vielfalt der schon vorhandenen Utopien und linken Bewegungen inspirieren und motivieren zu lassen.

Nicht zuletzt wurden beide Schwerpunkte noch in vielen Workshops über urbane Kämpfe verknüpft und um Themen wie Klimawandel, Emanzipation und Rassismus in Sprache ergänzt. Als die vier wieder im Zug nach Hamburg saßen, hatten sie genau das Gefühl, welches der BUKO in seiner Ankündigung erzeugen wollte: »Die kapitalistische Realität wird nachgeben, wenn wir uns gegen sie verbünden!«

Esther Philipps

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Grafik: Atelier Hurra