BDP | Gedenken an die Opfer des NS

 

Wir gedenken der Opfer des Nationalsozialismus

Heute jährt sich die Reichspogromnacht zum 80sten Mal. Am 9. November 1938 entlud sich der staatliche und gesellschaftliche Antisemitismus im Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung. Zwar war der Ausbruch der Gewalt geplant und von NS-Organisationen vorbereitet, es beteiligten sich aber auch große Teile der Zivilbevölkerung aus eigenem Antrieb und mit Begeisterung an den Angriffen und besonders an Plünderungen jüdischer Wohnungen und Geschäfte. Teils mussten anwesende Sicherheitskräfte den Mob sogar zügeln und die Gewalt kanalisieren, damit sie nicht außer Kontrolle gerät.1

Als Auslöser wurde von Seiten der nationalsozialistischen Führung, welche die Ausschreitungen organisierte und vorantrieb, der Tod eines deutschen Diplomaten missbraucht. Am 7. November 1938 schoss der 17jährige polnische Jude Herschel Grynszpan auf den Botschaftssekretär Ernst vom Rath, um auf die Deportation polnischer Juden aufmerksam zu machen, u.a. seiner Eltern. In der Reichspogromnacht, welche auch Ereignisse vor und nach dem 9. November mit einschließt, wurden 91 Menschen ermordet, und in den darauf folgenden Tagen wurden über 30.000 jüdische Männer verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. 1.200 Synagogen und Gebetshäuser wurden niedergebrannt und 7.500 Geschäfte zerstört. Auch indirekt übten die aufgeheizte Stimmung und Geschehnisse Gewalt auf Juden aus, die Zahl der Suizide stieg rapide an2.

Die Erinnerung an diese Geschehnisse ist sehr wichtig, um uns immer wieder vor Augen zu führen, welche Folgen menschenverachtende Stimmungsmache haben kann. In Deutschland spielte dabei gerade der Antisemitismus eine bedeutende Rolle, wobei nicht vergessen werden darf, dass auch andere Bevölkerungsgruppen wie Sinti und Roma, Menschen mit körperlicher, psychischer und seelischer Behinderung, Homo-, Trans- und Intermenschen, politisch Verfolgte und Slawen von Verfolgung und Ermordung betroffen waren. Die Reichspogromnacht war das Ergebnis von vorangegangener Hetze und gesetzlicher Verordnungen und gilt als Auftakt zur Shoa3.

Das Gedenken darf nicht allein auf die Vergangenheit fokussiert sein. Auch gegenwärtige Geschehnisse zeigen ähnliche Züge, wie zum Beispiel die rassistisch motivierten Hetzjagden von „besorgten Bürgern“, Identitären, Fußballhools u.ä. sowie deren Attentate auf von Menschen mit Migrationshintergrund geführten Geschäfte und Restaurants in Chemnitz seit Ende August. Auslöser war vor 80 Jahren wie auch vor einigen Monaten die Instrumentalisierung eines Mordes bzw. Totschlags. Die Parallelen lassen sich jedoch v.a. entlang der Ideologie und Hetze ziehen, denen ein fremdenfeindliches, antisemitisches, rassistisches, homophobes etc. Menschenbild zugrunde liegt und dies mit Gewalt durchsetzen will.

Wir im BDP stellen uns aktiv gegen solche Tendenzen und bauen als unabhängiger, offener, demokratischer Jugendverband an einer Gesellschaft, die auf Wertschätzung, Verständnis und Akzeptanz beruht. Dabei ist die Beschäftigung mit vergangenen und gegenwärtigen Strukturen und Handlungen, die Menschen diskriminiert und verfolgt, sehr wichtig, um diese irgendwann überwinden zu können.

Lasst uns deshalb achtsam durch die Welt gehen, und uns aktiv gegen menschenverachtende Strukturen und Haltungen stellen und solidarisch mit denen sein, die davon betroffen sind.

 

 

Siehe auch:

BDP Projekt und Veröffentlichung zu Stolpersteinen

1Wildt, Michael (2007): Volksgemeinschaft als Selbstermächtigung. Gewalt gegen Juden in der deutschen Provinz 1919 bis 1939. Hamburger Edition.

2Bundeszentrale für politische Bildung: 9. November 1938. Veröffentlicht auf http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/68670/9-november-1938-08-11-2011