BDP RLP | teurer Leerstand vs. fehlende Unterkünfte

*Offener Brief der BDP Ortsgruppe Bad Kreuznach an Abgeordnete*

Um auf das Missverhältnis zwischen unterfinanzierter, ehrenamtlicher Flüchtlingsunterstützung sowie fehlenden Unterbringungsmöglichkeiten bei gleichzeitigen hohen Ausgaben für leerstehende staatliche Gebäude aufmerksam zu machen, schrieb die BDP Ortsgruppe Bad Kreuznach einen offenen Brief an Abgeordnete des Bundestages sowie des rheinland-pfälzischen Landtages:

Sehr geehrte Herren und Damen,


Sehr geehrte Abgeordnete im Landtag und im Bundestag,

 

ich wende mich heute an Sie, weil durch die Anfrage von MdB Christian Ströbele bzgl. des leerstehenden Gebäudes in Alt Moabit klar wird, dass klare Möglichkeiten bestehen, die Flüchtlingsproblematik vor Ort anders anzupacken und dazu noch Steuergelder zu sparen. Die wir dann in den dringend benötigten sozialen Wohnungsbau stecken können, siehe dazu auch die aktuelle Wohnungsbaustudie des Instituts Prestel aus Hannover.

Wir Jugendverbände haben im Kreis Bad Kreuznach, aber auch in Rheinland-Pfalz ein unglaubliches Ehrenamt. Unser Bundesland steht in den Bundesstatistiken dafür immer wieder an erster Stelle, obwohl wir in RLP nur eine sehr dünne hauptamtliche Personaldecke haben.
Trotzdem versuchen wir uns bei vielen gesellschaftlichen Problemen lösungsorientiert einzubringen.Viele Kinder und Jugendliche aus Jugendverbänden engagieren sich aktuell, um die Situation von Flüchtlingen, besonders von jungen Geflüchteten, zu verbessern.

Die Ortsgruppe des Bund Deutscher Pfadfinder_innen Bad Kreuznach konnte in den letzten 5 Wochen durch ihr zivilgesellschaftliches Engagement 450 Flüchtlinge in den beiden Kreuznacher Notunterkünften mit Kleidung und Schuhen, Decken, Koffern, Spielzeug und Kinderbüchern, Kinderwagen und sonstigen Artikeln des täglichen Bedarfs (Körperpflegemittel, Lernmaterial, Becher und Isolierkannen) versorgen. Dieses Engagement war für die Ortsgruppe möglich, weil wir ganz viel Unterstützung durch die Bevölkerung, die Stadtverwaltung, durch die örtlich politisch Handelnden, sowie durch unzählige Freiwillige vor Ort erfahren haben.

Allein die Mitglieder der Familie Mansoori, allen voran der Vater Golam Mansoori, der selbst vor 5 Jahren aus Afghanistan mit seiner Familie geflohen ist, haben bisher 300 Stunden ehrenamtlich in der BDP-Kleiderscheune gearbeitet.

Nach all diesem Engagement, dass wir als BDP vor Ort gezeigt haben, macht uns diese Information aus der Hauptstadt Berlin, wo ein Bundesgebäude 570.000 € pro Monat verschlingt, wütend, traurig, fassungslos!!! Zumal unser Pfadfinder-Kollege, Sebastian Bock, als einziger Hauptamtlicher in Berlin mit einer Vielzahl von Ehrenamtlichen die Notunterkunft organisiert und versucht trotz schlechter Bedingungen „die Mindeststandards eines Pfadfinderlagers“ auch für die Flüchtlinge einzuhalten. Und angesichts der Not in Berlin im Winter auch für Obdachlose darf ein warmes, leerstehendes Bundesgebäude nicht einfach hingenommen werden.

Wir bitten Sie Ihren politischen Einfluss geltend zu machen, aus zwei Gründen:

1. Verschwendung von Steuergeldern, die wir im Wohnungsbau, aber auch im Kinder- und Jugendplan des Bundes dringend benötigen.

2. Zum Erhalt der Motivation von Ehrenamtlichen, die durch solche Nachrichten echt frustriert werden.

Über Informationen zu Ihren Aktivitäten würde sich die Ortsgruppe des BDP freuen.
Allzeit gut Pfad und herzliche Grüße aus der Provinz
im Namen der BDP-Ortsgruppe Bad Kreuznach

Arash Dolatabadi und Stephanie Otto

Für weitere Infos, Rückfragen und Anmerkungen an den BDP Bad Kreuznach: stephanie.otto@bdp.org

 

zur Anfrage des MdB Christian Ströbele:

Flüchtlinge im leerstehenden Gebäude des Innenministeriums unterbringen

29.10.2015: „Der Mietvertrag des Bundes mit der Fa. F. zur Nutzung des Gebäudes Alt-Moabit 101D läuft noch bis zum Juli 2016. [...] Eine Zwischennutzung des Gebäudes ist nicht möglich.“ Warum eigentlich nicht?

weitere Infos unter: www.stroebele-online.de

 

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Foto: Wolfgang Sterneck auf flickr.com (Creative Commons)